Geschichte des Hauses

Hirschgund frueher 1Vor etwa 100 Jahren wurde das Haus "Hirschgund", das zur Siedlung Hirschgund gehört, als "Mehrzweckgebäude", Unterkunft für die dort in einer Sägerei arbeitenden Arbeiter, als Schlachthaus, Molkerei und als Gasthaus, gebaut. Die damals ansässige Sägerei eines technikbegeisterten Großindustriellen aus Friedrichshafen war eine der modernsten Betriebe dieser Art in ganz Süddeutschland. Zum Beispiel gab es dort die erste Stromversorgung der ganzen Umgebung. Der Strom wurde mit Turbinen gewonnen. Dazu wurde das Wasser des nahegelegenen Poluswasserfalls umgeleitet und durch Fallrohre zu den Turbinen im Tal geleitet. Der daraus gewonnene Strom versorgte das Sägewerk und die dazugehörenden Gebäude.
Außerdem befand sich schon 1923 eine der ersten 4-Kant-Balken-Hobelmaschinen Europas in diesem Sägewerk. Leider ist von dieser Säge, bis auf die Grundmauern, heute nicht mehr viel zu sehen. Auch von den Anlagen der damaligen Stromversorgung sind nur noch Teile des Turbinenhäuschens und das Staubecken am Wasserfall übrig geblieben.

Hirschgund frueherDie Sägerei ging 1936 Pleite, als man gerade beim Bau einer Lastenseilbahn in den 12 km entfernten Ort Langenwang war. Damals fand sich wegen der abgeschiedenen Lage (die nächste Ortschaft ist 6 km entfernt) kein neuer Besitzer. Nach dieser Zeit diente das Haus als Gastwirtschaft und als Unterkunft für Reisende, denn es lag damals an einer der meistgenutzten Strecken zwischen Oberstdorf und dem Österreichischen Staatsgebiet.
Die Straße über den Riedbergpass gab es zu dieser Zeit noch nicht und die Straße durch das Tal war recht gut ausgebaut und einfach zu befahren. Dies war vielleicht auch der Grund, weshalb sich der Schmuggel von Österreich nach Deutschland immer mehr verstärkte und Hirschgund somit an einer der Hauptschmuggelrouten lag. Ein weiteres brisantes Thema war zu dieser Zeit die Wilderei im Tal. So kam es desöfteren zu heftigen Wortwechseln zwischen Förstern und Wilderern, wobei es heißt, dass ein Förster einmal auf einen Wilderer schoss. Als der Schmuggel durch das Tal um 1955 durch verstärkte Kontrollen und die Sperrung der Straße für den öffentlichen Verkehr fast zum Erliegen kam, wurde die Gastwirtschaft unrentabel und etwa um 1960 geschlossen. Danach stand das Haus bis 1969 leer und verfiel zusehends.

Seit 1971 wurde dann das Gebäude von verschiedenen Gruppen genutzt. Im Jahr 1999 erhielten wir einen längerfristigen Pachtvertrag. Wir entschlossen uns, das Haus grundlegend zu renovieren. Von November 1999 an wurden die gesamten Fußböden, die Fenster, alle Zimmertüren, das Teppenhaus, die Küche, die Sanitäranlagen, die Elektro- und Wasserleitungen ausgetauscht. Ein wichtiger Aspekt dieses Umbaues war der vorbeugende Brandschutz.

Durch einen Erdrutsch in Rindberg, der unter anderem die Stromleitung beschädigte, wurden die Sanierungsarbeiten unterbrochen. Die Versorgung mit elektrischer Energie erfolgte daher zeitweise über ein Stromaggregat und eine Photovoltaik-Anlage. Somit war das Haus nicht auf eine schnelle Erneuerung der Versorgungsleitung angewiesen und der Umbau konnte zu Ende geführt werden. Im Jahr 2002 wurde dann die Stromleitung zwischen Rindberg und Hirschgund erneuert. Somit haben wir heute wieder einen komfortabelen Netzanschluß.